Das Projekt:

Ich schreibe in relativ regelmäßigen Abständen jeweils einen Text über alle Preisträger:innen des Nobelpreises für Literatur, angefangen bei der ersten Verleihung 1901 bis heute. Ausgehend von der jeweiligen Begründung der Jury schaue ich mir die Texte der Autor:innen an. Was kann man literaturwissenschaftlich und -kritisch darüber sagen? Funktionieren die Werke noch heute? Sprich: Sind sie für heutige Leser:innen interessant? Oder sind sie eher im Kontext der damaligen Zeit zu verstehen? Was kann man aus ästhetischer Perspektive darüber aussagen?

Das bedeutet also, ich werde einerseits versuchen, mich dem Text neutral zu nähern, gleichzeitig aber nach individuellem Geschmack darüber urteilen.

Warum der Nobelpreis für Literatur?

  • Erstens weil es der Literaturpreis ist, den die meisten Leute kennen und der, angeheizt durch alljährliche Artikel und Beiträge in den Medien, das meiste Prestige genießt und es gerade deshalb interessant ist, sich ihn näher anzuschauen. Mir geht es da überhaupt nicht um die Entscheidungsprozesse der Jury, in die ich sowieso keinen Einblick habe. Eher schaue ich auf einzelne Texte und stelle mir die Frage, was sie besonders macht oder eben nicht. Ich versuche dabei auch literarhistorisch zu urteilen. Ein Roman, der vielleicht noch im 19. Jahrhundert geschrieben wurde, kann dann nicht so beurteilt werden, wie einer aus den 1920ern, also zur Hochzeit der Moderne in der Literatur. Am Ende gilt allerdings immer das, was für jeden Preis gilt: Eine Person bekommt ihn, alle anderen nicht.
  • Zweitens weil es bis heute der Preis mit der höchsten Dotierung ist (je nach Wechselkurs um die 1 Million Euro). Dazu kommen im Anschluss die internationalen Buchverkaufszahlen der jeweiligen Preisträger:innen, was die Lukrativität natürlich nochmal enorm steigert.
  • Drittens weil fast immer Kritik laut wird, warum denn gerade diese Person ihn bekommen habe und nicht jemand anderes. Häufig betreffen die Kritikpunkte den Eurozentrismus, Sexismus oder das politische Engagement. Die meisten Preisträger:innen schreiben in einer europäischen Sprache oder stammen aus Europa, dadurch werden also beispielsweise afrikanische oder asiatische Literaten benachteiligt; weiter haben ihn in der Geschichte des Preises bis jetzt (Stand 2021) nur 16 Frauen bekommen und bei manchen Literaten heißt es, sie haben ihn weniger wegen des literarischen Werts ihrer Werke als mehr für ihr politisches Engagement bekommen.